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Welpenerziehung nach Alter: von 8 Wochen bis 6 Monate

Kurze Antwort

Welpenerziehung beginnt am ersten Tag im neuen Zuhause. In Deutschland darf ein Welpe erst mit über acht Wochen von der Mutter getrennt werden. Bis zur zwölften Woche stehen Sozialisierung, Stubenreinheit, Box, Namen und sanftes Anfassen im Vordergrund; mit drei bis vier Monaten kommen Sitz, Platz, Rückruf, Leine und Beißhemmung dazu; mit vier bis sechs Monaten Bleib, lockere Leine und Zuverlässigkeit bei Ablenkung. Laut AVSAB sind die ersten drei Lebensmonate das wichtigste Sozialisierungsfenster.

In diesem Artikel
  1. Der Überblick
  2. Was in Deutschland gilt
  3. Warum der Zeitpunkt zählt: das Sozialisierungsfenster
  4. 8 bis 10 Wochen: Ankommen
  5. 10 bis 12 Wochen: Welpengruppe und Beißhemmung
  6. 3 bis 4 Monate: Grundsignale
  7. 4 bis 5 Monate: Zahnwechsel und Übertragen
  8. 5 bis 6 Monate: auf die Pubertät vorbereiten
  9. Wochenplan für zu Hause
  10. Die Methode
  11. Sozialisierungs-Checkliste
  12. Häufige Fehler nach Alter
  13. Checkliste mit 6 Monaten

Welpen verändern sich schnell, und mit ihnen das, was sie lernen sollten. Was mit neun Wochen passt (kurze Spiele, viel Schlaf, sanfte neue Erfahrungen), ist etwas anderes als das, was ein fünf Monate alter Junghund mit bleibenden Zähnen und viel Energie braucht.

Der Überblick

Alter Schwerpunkt Kernübungen
8–10 Wochen Sozialisierung, Routine Stubenreinheit, Box, Name, Anfassen
10–12 Wochen Welpengruppe, Beißhemmung Sitz, Handtarget, Spielzeug tauschen
3–4 Monate Grundsignale Platz, Rückruf, Lass es, erste Leinenrunden
4–5 Monate Übertragen, Zahnwechsel Bleib, Decke, Signale an neuen Orten
5–6 Monate Zuverlässigkeit, Pubertät Lockere Leine, Rückruf mit Ablenkung

Was in Deutschland gilt

Die Tierschutz-Hundeverordnung legt zwei Punkte fest, die direkt in die Welpenzeit fallen:

  • Ein Welpe darf erst im Alter von über acht Wochen von der Mutter getrennt werden (§ 2 Abs. 4). Früher nur, wenn eine Tierärztin oder ein Tierarzt das zum Schutz von Mutter oder Welpe für nötig hält.
  • Welpen bis zur 20. Lebenswoche brauchen täglich mindestens vier Stunden Umgang mit einer Betreuungsperson (§ 2 Abs. 1).

Dieselbe Verordnung verbietet in Ausbildung und Erziehung Stachelhalsbänder und andere schmerzhafte Mittel (§ 2 Abs. 5). Das passt zu dem, was auch die Verhaltensmedizin empfiehlt: Belohnung statt Strafe.

Warum der Zeitpunkt zählt: das Sozialisierungsfenster

Die AVSAB-Stellungnahme zur Welpensozialisierung erklärt, dass in den ersten drei Monaten die Neugier die Angst überwiegt. Das ist das Hauptfenster, in dem Welpen sich an neue Menschen, Tiere, Orte und Geräusche gewöhnen. Die AVSAB hält es für fachlichen Standard, Welpen schon vor der vollständigen Grundimmunisierung zu sozialisieren, weil das Infektionsrisiko in gut geführten Gruppen gering ist im Vergleich zum Risiko späterer Verhaltensprobleme. Voraussetzung: mindestens eine Impfung 7 Tage vor der ersten Stunde und eine erste Entwurmung. Hundewiesen und Orte mit Hunden unbekannten Gesundheitszustands sind tabu. Den Impfplan legen Sie mit Ihrer Tierarztpraxis fest.

8 bis 10 Wochen: Ankommen

  • Stubenreinheit: mindestens alle zwei Stunden und nach Schlafen, Fressen, Trinken und Spielen hinaus. Siehe Welpe stubenrein bekommen.
  • Box: Spiele bei offener Tür und Mahlzeiten in der Box, siehe Hundebox-Training.
  • Namensspiel: Namen einmal sagen, belohnen, wenn der Welpe Sie ansieht.
  • Anfassen: Ohren, Pfoten und Maul eine Sekunde berühren, dann Leckerli. Das zahlt sich in der Tierarztpraxis und beim Hundefriseur aus.
  • Sozialisierung: neue Menschen (behutsam), Untergründe, Haushaltsgeräusche, Autofahrten, immer im Tempo des Welpen.

10 bis 12 Wochen: Welpengruppe und Beißhemmung

  • Melden Sie den Welpen in einer Welpengruppe an, die mit Belohnung arbeitet, sobald die Impfvoraussetzung erfüllt ist.
  • Sitz mit Futterlocke beibringen und die Locke dann abbauen.
  • Handtarget (Nase an die Handfläche): nützlich für Rückruf und um den Welpen ohne Ziehen zu bewegen.
  • Ins-Maul-Nehmen: auf Spielzeug umlenken, Spiel kurz unterbrechen, wenn Zähne die Haut berühren.
  • Schlaf schützen: Junge Welpen brauchen viel Ruhe, übermüdete beißen mehr.

3 bis 4 Monate: Grundsignale

  • Platz und Rückruf in Haus und Garten, mit besonders begehrten Belohnungen.
  • Lass es: zunächst mit einem Leckerli in der geschlossenen Hand.
  • Leine: kurze Runden mit viel Schnüffeln; belohnen, wenn der Welpe nah bei Ihnen bleibt.
  • Weiter sozialisieren: verschiedene Menschen, freundliche geimpfte erwachsene Hunde, Verkehr und Menschenmengen aus der Entfernung.

4 bis 5 Monate: Zahnwechsel und Übertragen

  • Zahnwechsel: gekühlte Kauartikel und Futterspielzeug, Aufsicht und eine welpensichere Wohnung.
  • Bleib: Entfernung, Dauer und Ablenkung immer nur einzeln steigern.
  • Auf die Decke: ein Ruhesignal für Mahlzeiten und Besuch.
  • Übertragen: bekannte Signale in neuen Räumen, im Garten, in einem ruhigen Park üben.

5 bis 6 Monate: auf die Pubertät vorbereiten

Viele Junghunde scheinen kurz vor der Pubertät alles zu „vergessen“. Das ist normal.

  • Einheiten kurz und lohnend halten.
  • Lockere Leine: stehen bleiben, wenn die Leine sich spannt, belohnen, wenn der Hund zurückkommt.
  • Rückruf an der Schleppleine mit leichter Ablenkung üben.
  • Sozialisierung und Anfassen weiterführen: Sie sind keine einmalige Aufgabe.

Wochenplan für zu Hause

Tag Ideen für Einheiten (3–5 Minuten, 2–3 Mal am Tag)
Montag Namensspiel, Sitz, Anfassen
Dienstag Handtarget, Boxenspiel, neuer Untergrund
Mittwoch Platz, Lass es, Autofahrt
Donnerstag Rückrufspiel zwischen zwei Personen, neuer Mensch
Freitag Auf die Decke, Leinenübung
Samstag Welpengruppe oder Ausflug
Sonntag Lieblingsübungen wiederholen, Beschäftigung und Ruhe

Die Methode

Belohnen Sie mit Futter, Spiel und Lob und verzichten Sie auf Strafe. Die AVSAB-Stellungnahme zu humanem Training empfiehlt belohnungsbasierte Methoden für alle Hunde, und Welpen reagieren besonders empfindlich auf Angst. Junge Welpen arbeiten am besten für kleine, weiche Futterbelohnungen; ältere lieben oft auch Spielzeug. Die wertvollsten Belohnungen gehören zu den schwersten Aufgaben, etwa dem Rückruf draußen.

Sozialisierungs-Checkliste

Ziel ist ruhiger, positiver Kontakt, kein erzwungener. Belohnen Sie Neugier und lassen Sie den Welpen sich zurückziehen.

Bereich Beispiele
Menschen Männer, Frauen, Kinder (unter Aufsicht), Menschen mit Hut, Bart, Uniform, Rollstuhl
Tiere Ruhige geimpfte erwachsene Hunde, hundegewohnte Katzen
Geräusche Staubsauger, Türklingel, Verkehr, Gewitteraufnahmen in geringer Lautstärke
Untergründe Gras, Fliesen, Teppich, Kies, Gitterroste, wackelige Kissen
Orte Autofahrt, Besuch in der Tierarztpraxis nur für Leckerli, ruhiger Parkplatz
Anfassen Ohren, Pfoten, Maul, Bürsten, Krallenzange berühren
Gegenstände Regenschirme, Fahrräder, Kinderwagen, Skateboards (aus der Entfernung)

Häufige Fehler nach Alter

  • 8–12 Wochen: Den Welpen bis zur letzten Impfung isolieren und das Sozialisierungsfenster verpassen.
  • 3–4 Monate: Zu lange Einheiten und Signale wiederholen, die der Welpe noch nicht kennt.
  • 4–6 Monate: Zu früh die ganze Wohnung freigeben; im Zahnwechsel wird alles angekaut.
  • Ab 5–6 Monaten: Pubertät für „Sturheit“ halten und zur Strafe greifen.

Checkliste mit 6 Monaten

  • Reagiert meist auf seinen Namen
  • Sitz und Platz auf Signal an bekannten Orten
  • Kommt im Haus und Garten auf Rückruf
  • Geht kurze Strecken an lockerer Leine
  • Lässt Pfoten, Ohren und Maul anfassen
  • Ruht entspannt in der Box oder auf der Decke
  • Weitgehend stubenrein
  • Bleibt bei Alltagsgeräuschen und Besuch gelassen

Sind noch einige Kästchen leer, ist das normal: Arbeiten Sie im Tempo des Welpen weiter. Zeigt er anhaltende Angst, Knurren oder Schnappen, sprechen Sie früh mit Ihrer Tierarztpraxis. Wie sehr die Rasse Energie und Lernstil prägt, lesen Sie unter Hunderassen. Mehr im Ratgeber Hundetraining.

Häufige Fragen

Wann fange ich mit der Erziehung an?

Sofort. Welpen lernen ab dem ersten Tag im neuen Zuhause. Beginnen Sie mit kurzen, spielerischen Einheiten zu Namen, Stubenreinheit und Anfassen, und starten Sie gleich mit der Sozialisierung, denn das Fenster, in dem Welpen Neues am leichtesten annehmen, schließt sich mit etwa drei Monaten.

Darf mein Welpe vor allen Impfungen in die Welpenschule?

Die AVSAB hält Welpenkurse ab 7 bis 8 Wochen für vertretbar, wenn mindestens eine Impfung mindestens 7 Tage vor der ersten Stunde gegeben wurde, eine erste Entwurmung erfolgt ist und der Impfplan eingehalten wird. Meiden Sie Hundewiesen und Orte mit Hunden unbekannten Gesundheitszustands. Klären Sie den Impfplan mit Ihrer Tierarztpraxis.

Wie lange sollte eine Trainingseinheit dauern?

Kurz: bei jungen Welpen etwa 3 bis 5 Minuten, mehrmals am Tag. Hören Sie auf, solange der Welpe noch mit Freude dabei ist. Mehrere kurze Einheiten bringen mehr als eine lange.

Wann sollte ein Welpe die Grundsignale können?

Viele Welpen lernen Sitz, Platz und ihren Namen innerhalb weniger Wochen und reagieren mit etwa drei bis vier Monaten in einem ruhigen Raum. Zuverlässigkeit bei Ablenkung dauert länger und verbessert sich weit über den sechsten Monat hinaus.

Wie gewöhne ich meinem Welpen das Beißen ab?

Ins Maul nehmen ist normal. Bieten Sie reichlich Kauspielzeug an, lenken Sie die Zähne von der Haut auf das Spielzeug um, unterbrechen Sie das Spiel kurz, wenn Zähne die Haut berühren, und achten Sie auf genug Schlaf, denn übermüdete Welpen beißen mehr. Nie schlagen oder das Maul zuhalten.

Was sollte ein sechs Monate alter Welpe können?

Typischerweise: weitgehend stubenrein, entspannt in der Box, Reaktion auf den Namen, Sitz, Platz, Rückruf in einfacher Umgebung, zeitweise lockere Leine, Ruhe auf einer Decke, Anfassen dulden und Gelassenheit bei alltäglichen Geräuschen und Anblicken.

Quellen

  1. Position Statement on Puppy Socialization — AVSAB: ventana de los tres primeros meses y clases desde las 7–8 semanas↗
  2. Position Statement on Humane Dog Training (2021) — AVSAB: métodos basados en recompensa y riesgos de los métodos aversivos↗
  3. How to potty train your dog or puppy↗
Alle Quellen anzeigen (5)
  1. Crate training 101↗
  2. Tierschutz-Hundeverordnung (TierSchHuV): Auslauf, Umgang, Welpen und Zwingerhaltung↗oficial

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