In diesem Artikel
- Bevor Sie etwas kaufen
- So funktioniert ein Bienenvolk
- Die Beute und ihre Teile
- Grundausstattung und Schutzkleidung
- Woher die Bienen kommen
- Durchsichten
- Varroa: jeden Monat kontrollieren
- Das erste Bienenjahr
- Honig: was Sie erwarten können
- Füttern
- Schwärmen
- Standortwahl
- Häufige Anfängerfehler
- Stockkarte führen
- Sicherheit
- Fazit
Imkern ist faszinierend, nützt Garten und Obstbäumen und wird irgendwann süß. Es ist aber auch Tierhaltung: Ein Bienenvolk ist ein lebender Superorganismus, der verhungern, schwärmen oder an Parasiten zugrunde gehen kann, wenn man ihn vernachlässigt. Dieser Plan hilft Ihnen, mit realistischen Erwartungen und guten Gewohnheiten anzufangen. Sie sind dabei in guter Gesellschaft: Nach Angaben des Deutschen Imkerbundes (D.I.B.), seit 1907 Dachverband der Imkerei, zählen seine 19 Mitgliedsverbände 134.307 Mitglieder mit 890.827 Bienenvölkern.
Bevor Sie etwas kaufen
- Lernen. Besuchen Sie einen Einsteigerkurs und suchen Sie sich einen Imkerverein mit einer Patin oder einem Paten. Der Leitfaden Beekeeping Basics von Penn State Extension (auf Englisch) behandelt Biologie des Volkes, Ausrüstung, Standortwahl, Jahresverlauf, Schädlinge und Krankheiten sowie die Honiggewinnung.
- Bienenhaltung anzeigen. Nach § 1a der Bienenseuchen-Verordnung muss, wer Bienen halten will, dies spätestens bei Beginn der Tätigkeit der zuständigen Behörde anzeigen, mit Anzahl der Völker und Standort. Die Behörde registriert den Betrieb und vergibt eine zwölfstellige Registriernummer. Welche Stelle zuständig ist, erfahren Sie bei Ihrer Gemeinde oder Ihrem Imkerverein.
- Mit den Nachbarn sprechen. Erklären Sie Ihr Vorhaben, besonders zu Tränke und Flugbahn.
- Allergien klären. Wissen Sie, ob jemand im Haushalt stark auf Stiche reagiert, und haben Sie einen Plan.
So funktioniert ein Bienenvolk
| Mitglied | Aufgabe |
|---|---|
| Königin | Legt die Eier; eine pro Volk |
| Arbeiterinnen | Weibchen: putzen, pflegen die Brut, bauen Waben, bewachen, sammeln |
| Drohnen | Männchen, vor allem zur Paarung mit Königinnen |
| Brut | Eier, Larven und Puppen |
| Vorräte | Honig (Kohlenhydrate) und Pollen (Eiweiß) |

- Kopf
- Facettenauge — je eines auf jeder Seite
- Fühler — Riechen und Tasten
- Mundwerkzeuge — Oberkiefer und Rüssel für Nektar
- Brust (Thorax) — trägt die Flügel und alle sechs Beine
- Vorderflügel
- Hinterflügel — kleiner; im Flug mit dem Vorderflügel verhakt
- Hinterbein mit Pollenkörbchen (Corbicula)
- Hinterleib — gestreift; enthält Honigmagen und Wachsdrüsen
- Stachel — nur bei Weibchen
- Punktaugen (Ocellen) — drei einfache Augen oben auf dem Kopf
Die Beute und ihre Teile
Das Beispiel hier ist eine Magazinbeute nach Langstroth; in Deutschland sind daneben andere Rähmchenmaße verbreitet. Der Aufbau ist ähnlich. Mehr dazu in Langstroth-Beute: Maße.
| Teil | Funktion |
|---|---|
| Beutenständer | Hebt die Beute vom feuchten Boden |
| Boden | Unterseite mit Flugloch |
| Fluglochkeil | Verengt das Flugloch bei kleinen Völkern oder Räuberei |
| Brutraum | Hier legt die Königin, hier lagern die Wintervorräte |
| Rähmchen und Mittelwände | Herausnehmbare Wabenträger |
| Absperrgitter (optional) | Hält die Königin aus dem Honigraum |
| Honigraum | Flachere Zarge für den Überschusshonig |
| Innendeckel | Belüftung und Isolierung |
| Außendeckel | Wetterschutz |
Grundausstattung und Schutzkleidung
- Vollständige Beute mit Rähmchen
- Smoker und Brennmaterial
- Stockmeißel
- Schleier, Imkerjacke oder Anzug, Handschuhe
- Futtergeschirr (für Zuckerlösung)
- Bienenbesen
- Material für die Alkoholwaschung zur Varroa-Kontrolle
- Notizbuch oder App für die Stockkarte
Woher die Bienen kommen
| Möglichkeit | Was es ist | Hinweis |
|---|---|---|
| Kunstschwarm (Paketbienen) | Bienen mit begatteter Königin in einer Kiste | Beginnt auf leeren Rähmchen |
| Ableger | Kleines Volk auf Waben mit Brut | Schnellerer Start; Gesundheit der Herkunft prüfen |
| Wirtschaftsvolk | Ein ganzes Volk | Großer Start, mehr Arbeit |
| Schwarm | Eingefangener Naturschwarm | Kostenlos, unberechenbar; Erfahrung hilft |
Ein Kunstschwarm muss alle Waben selbst bauen, ein Ableger bringt Waben, Brut und Futter mit und entwickelt sich meist schneller. Kaufen Sie bei einer seriösen Bezugsquelle aus der Region und fragen Sie nach deren Varroa-Behandlung.
Durchsichten
In der Saison sehen Sie regelmäßig durch, an einem warmen, windstillen Tag. Achten Sie auf:
- Eier und junge Larven (die Königin legt);
- ein geschlossenes Brutbild;
- Honig- und Pollenvorräte;
- genug Platz für die Entwicklung;
- Schwarmzellen, Schädlinge und Krankheitszeichen.
Arbeiten Sie ruhig, mit wenig Rauch, und halten Sie die Durchsicht kurz.
Varroa: jeden Monat kontrollieren
Der Leitfaden zur Alkoholwaschung von Penn State Extension (auf Englisch) nennt sie die beste Methode, um den Milbenbefall zu messen, und betont monatliche Kontrollen, schriftliche Aufzeichnungen und Zählungen vor und nach jeder Behandlung. Kurz das Vorgehen:
- Eine Wabe mit offener Brut ziehen und sicherstellen, dass die Königin nicht darauf sitzt.
- Die Bienen in eine weiße Schale abschütteln und eine halbe Tasse Bienen (½ US-Cup, etwa 120 ml) abmessen.
- In ein Glas (etwa 0,5 l) mit 250 ml Alkohol (über 70 %) oder Seifenwasser geben.
- 60 Sekunden kräftig schütteln, dann durch einen Gitterdeckel und Filter abgießen.
- Die Milben zählen und die Zahl notieren.
In Deutschland ist die Behandlung keine Kür: Nach § 15 der Bienenseuchen-Verordnung muss, wessen Bienenstand von der Varroamilbe befallen ist, alle Völker des Standes jährlich behandeln, sofern die Behörde nichts anderes angeordnet hat. Die Behörde kann außerdem für ein Gebiet die Behandlung aller Völker innerhalb einer Frist anordnen und das Mittel vorschreiben. Verwenden Sie nur für Honigbienen zugelassene Tierarzneimittel nach Gebrauchsinformation; Ihr Imkerverein und die Bienengesundheitsdienste kennen die regionalen Empfehlungen.
Das erste Bienenjahr
| Zeit | Aufgaben |
|---|---|
| Spätwinter | Kurs, Bienen bestellen, Ausrüstung bauen, Standort wählen, Anzeige bei der Behörde |
| Frühjahr | Bienen einlogieren; bei Bedarf füttern; Königin prüfen; erste Milbenkontrolle |
| Spätfrühjahr–Sommer | Regelmäßige Durchsichten; Zargen für Platz geben; auf Schwarmstimmung achten; monatliche Waschung |
| Spätsommer | Milben kontrollieren und behandeln; Vorräte prüfen; Flugloch gegen Räuberei verengen |
| Herbst | Genug Wintervorrat sicherstellen; bei Bedarf auffüttern; Mäusegitter; letzte Kontrolle |
| Winter | Möglichst wenig stören; durch Anheben die Vorräte schätzen; das nächste Jahr planen |
Honig: was Sie erwarten können
Das Überleben des Volkes geht vor. Viele Völker stecken im ersten Jahr ihre Kraft in Wabenbau und Wintervorräte. Ernten Sie nur Überschuss aus dem Honigraum, nie das Winterfutter aus dem Brutraum.
Füttern
Junge Völker brauchen oft Zuckerlösung, bis sie Waben ausgebaut haben und genug Tracht da ist. Füttern Sie, wenn die Vorräte knapp sind, nicht automatisch. Füttern Sie keinen Honig unbekannter Herkunft, er kann Krankheiten übertragen.
Schwärmen
Schwärmen ist die Vermehrung des Volkes: Die alte Königin zieht mit einem Teil der Bienen aus. Das ist natürlich, kostet aber Honig und kann Nachbarn beunruhigen. Genug Platz, Kontrolle auf Weiselzellen im Frühjahr und das Bilden von Ablegern aus starken Völkern sind die üblichen Gegenmittel. Lassen Sie sich Schwarmzellen von Ihrer Patin oder Ihrem Paten zeigen.
Standortwahl
| Faktor | Worauf achten |
|---|---|
| Sonne | Morgensonne, damit die Bienen früh fliegen |
| Schutz | Kein starker Wind |
| Wasser | Eine Tränke in der Nähe, damit die Bienen nicht an Nachbars Teich gehen |
| Untergrund | Trocken; Beuten auf Ständern |
| Flugbahn | Weg von Wegen, Türen und Nachbarn; Zaun oder Hecke lenkt die Bienen nach oben |
| Zugang | Platz zum Arbeiten und Tragen |
| Tracht | Blühende Pflanzen und Bäume im Flugradius über die ganze Saison |
Häufige Anfängerfehler
| Fehler | Folge |
|---|---|
| Milben nicht kontrollieren | Zusammenbruch im Herbst oder Winter |
| Zu viel Honig ernten | Verhungern im Winter |
| Zu oft oder bei schlechtem Wetter öffnen | Stress, verkühlte Brut |
| Keinen Platz geben | Schwärmen |
| Feuchtigkeit oder zu wenig Lüftung im Winter | Völkerverluste |
| Mit nur einem Volk beginnen | Kein Vergleich, keine Reserve |
Stockkarte führen
Notieren Sie für jedes Volk Datum, Wetter, Königin oder Eier gesehen, Brutbild, Vorräte, gegebenen Platz, Milbenzahl und jede Behandlung. Penn State betont die schriftliche Milbenzählung; dieselbe Gewohnheit hilft bei jeder anderen Entscheidung.
Sicherheit
- Tragen Sie immer einen Schleier.
- Zünden Sie den Smoker an, bevor Sie die Beute öffnen.
- Besprechen Sie bei bekannter Allergie einen Notfallplan mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt und arbeiten Sie dann nie allein an den Bienen.
Fazit
Erst lernen, die Haltung anzeigen, mit guter Ausrüstung und gesunden Bienen starten, regelmäßig durchsehen, monatlich Milben zählen und genug Honig für den Winter lassen. Ein gesundes Volk, das den ersten Winter übersteht, ist ein erfolgreiches erstes Jahr. Mehr im Ratgeber Imkerei.
Häufige Fragen
Muss ich meine Bienen anmelden?
Ja. Nach § 1a der Bienenseuchen-Verordnung zeigt jede Person, die Bienen halten will, die Bienenhaltung spätestens zu Beginn der Tätigkeit bei der zuständigen Behörde an, mit Zahl der Völker und Standort. Die Behörde erfasst den Betrieb und vergibt eine zwölfstellige Registriernummer.
Was kostet der Einstieg in die Imkerei?
Das hängt davon ab, wie viele Beuten Sie aufstellen und ob Sie neu oder gebraucht kaufen. Planen Sie mindestens eine vollständige Beute, ein Volk oder einen Ableger, Schleier oder Imkerjacke, Handschuhe, Smoker, Stockmeißel, Futtergeschirr und Material zur Varroa-Kontrolle ein. Viele beginnen mit zwei Völkern, um vergleichen zu können.
Bekomme ich im ersten Jahr schon Honig?
Manchmal, aber viele junge Völker brauchen die erste Saison, um Waben zu bauen und genug Vorräte für den Winter anzulegen. Lassen Sie die Wintervorräte im Volk und ernten Sie nur echten Überschuss aus dem Honigraum.
Was ist die größte Gefahr für Bienenvölker?
Die Varroamilbe und die Viren, die sie überträgt, sind eine Hauptursache für Völkerverluste. Penn State Extension empfiehlt monatliche Kontrollen mit schriftlichen Aufzeichnungen und eine erneute Zählung nach jeder Behandlung. In Deutschland schreibt § 15 der Bienenseuchen-Verordnung bei Befall eine jährliche Behandlung aller Völker des Standes vor.
Brauche ich einen kompletten Imkeranzug?
Anfänger fühlen sich in einem Anzug oder einer Jacke mit Schleier und mit Handschuhen meist sicherer. Erfahrene Imker tragen oft weniger. Der Schleier ist das wichtigste Teil, weil Stiche an Augen und Gesicht am gefährlichsten sind.
Quellen
- Bienenseuchen-Verordnung § 1a: Anzeige der Bienenhaltung bei der zuständigen Behörde↗oficial
- Bienenseuchen-Verordnung § 15: jährliche Behandlung gegen die Varroose↗oficial
- Deutscher Imkerbund e.V.: Dachverband der Imkerinnen und Imker, Mitglieder und Bienenvölker↗
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