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Aquarium einfahren: Stickstoffkreislauf Schritt für Schritt

Kurze Antwort

Beim Einfahren wachsen die Bakterien, die giftige Ausscheidungen abbauen: Ammoniak wird zu Nitrit, Nitrit zu Nitrat. Ohne Fische richten Sie das Becken mit aufbereitetem Wasser und laufendem Filter ein, geben eine kleine Ammoniakquelle zu und testen alle paar Tage. Erst steigt und fällt Ammoniak, dann folgt der Nitritpeak. Eingefahren ist das Becken, wenn es eine Ammoniakgabe binnen etwa 24 Stunden auf 0 Ammoniak und 0 Nitrit abbaut und Nitrat messbar ist; das Merck Veterinary Manual nennt 0 mg/l als Normalwert für beide.

In diesem Artikel
  1. Was ist der Stickstoffkreislauf?
  2. Was die Testwerte bedeuten
  3. Einfahren ohne Fische
  4. Wie lange dauert es?
  5. Wenn das Einfahren stockt
  6. Wenn schon Fische in einem neuen Becken sind
  7. So bleibt das Becken eingefahren
  8. Vorsicht vor dem „Altwassersyndrom“
  9. Testsets richtig ablesen
  10. Checkliste

Das Einfahren ist der wichtigste Schritt beim Start eines Aquariums und der, den Anfänger am häufigsten überspringen. Ein neues Becken sieht am ersten Tag perfekt aus, aber ihm fehlen die Bakterien, die Ausscheidungen unschädlich machen. Setzen Sie sofort eine ganze Gruppe Fische ein, steigen Ammoniak und Nitrit binnen Tagen. Dieser Ratgeber erklärt den Stickstoffkreislauf und das Einfahren ohne Fische, mit den Wasserwerten aus dem Merck Veterinary Manual und den Hinweisen aus dem Leitfaden von UF/IFAS Extension (beide auf Englisch).

Er gehört zum Ratgeber Aquarium und Fische; für das erste Becken siehe Aquarium für Anfänger.

Was ist der Stickstoffkreislauf?

  1. Fische erzeugen Ammoniak, über Kiemen und Ausscheidungen, dazu aus Futterresten und faulenden Pflanzen.
  2. Bakterien bauen Ammoniak zu Nitrit ab. Nitrit ist ebenfalls giftig.
  3. Andere Bakterien bauen Nitrit zu Nitrat ab. Nitrat ist viel weniger giftig und wird durch Wasserwechsel entfernt und von Pflanzen aufgenommen.

Diese Bakterien besiedeln Oberflächen, vor allem das Filtermaterial, aber auch Kies, Steine und Deko. Einfahren heißt, genug von ihnen wachsen zu lassen, um die Abfälle Ihrer künftigen Fische zu bewältigen.

Bepflanztes Aquarium mit dem Stickstoffkreislauf als Pfeile: Abfälle werden zu Ammoniak, Filterbakterien wandeln es in Nitrit und dann Nitrat um, das Wasserwechsel und Pflanzen entfernen
  1. Ausscheidungen, Futterreste und faulende Blätter — Quelle des Ammoniaks
  2. Ammoniak (NH3) — hochgiftig
  3. Ammoniak oxidierende Bakterien — im Filtermaterial, wandeln Ammoniak in Nitrit um
  4. Nitrit (NO2) — ebenfalls giftig
  5. Nitrit oxidierende Bakterien — in Filter und Kies, wandeln Nitrit in Nitrat um
  6. Nitrat (NO3) — weit weniger giftig, reichert sich aber an
  7. Teilwasserwechsel — entfernt Nitrat
  8. Lebende Pflanzen — nehmen einen Teil des Nitrats auf
Illustration: der Stickstoffkreislauf im Aquarium, Ammoniak → Nitrit → Nitrat.

Was die Testwerte bedeuten

Die Tabelle zur Wasserqualität im Merck Veterinary Manual nennt für Süßwasser diese Richtwerte:

Wert Normal Kritisch Wirkung
Gesamtammoniak (TAN) 0 mg/l Süßwasserfische vertragen meist unter 1 mg/l Schädigt die Kiemen
Freies Ammoniak (NH3) Unter 0,05 mg/l Kiemenschäden über 0,05 mg/l Die giftige Form; steigt mit pH und Temperatur
Nitrit 0 mg/l Giftig über 0,1 mg/l Verursacht Methämoglobinämie („Braunblütigkeit“)
Nitrat Unter 20 mg/l Hohe Werte stressen Wird durch Wasserwechsel und Pflanzen entfernt
Chlor 0 mg/l Schäden ab 0,02 mg/l Tötet Fische und Bakterien
pH 6,5–9,0 Tödliche Grenzen bei etwa 4 und 10 Höherer pH macht Ammoniak giftiger

Die meisten Testsets zeigen „ppm“ an, für diese Zwecke dasselbe wie mg/l. Merck merkt an, dass günstige Testsets einfach zu benutzen und ausreichend genau sind.

Einfahren ohne Fische

Statt Fischen füttert eine Ammoniakquelle die Bakterien, sodass kein Tier giftigen Werten ausgesetzt ist.

Schritt 1: Becken einrichten

Füllen Sie das Becken mit aufbereitetem Wasser und lassen Sie Filter und Heizung laufen. Bakterien wachsen in warmem Wasser schneller; viele halten beim Einfahren etwa 25 bis 26 °C. Behandeln Sie jedes Nachfüllwasser: Chlor tötet genau die Bakterien, die Sie ansiedeln wollen.

Schritt 2: Ammoniakquelle zugeben

  • Reines Ammoniak (ohne Tenside, Duft- oder Farbstoffe; es darf beim Schütteln nicht schäumen), dosiert auf etwa 1 bis 2 ppm im Test.
  • Fischfutter, alle ein bis zwei Tage eine Prise, das zu Ammoniak verfault. Langsamer, aber einfach.
  • Angeimpftes Filtermaterial aus einem gesunden, krankheitsfreien Becken. Der schnellste Start.

Schritt 3: Testen und notieren

Testen Sie Ammoniak, Nitrit und Nitrat alle zwei bis drei Tage und schreiben Sie die Werte auf. Ein typischer Verlauf:

Phase Ammoniak Nitrit Nitrat
Start Hoch (Ihre Gabe) 0 0
Woche 1–2 Beginnt zu fallen Steigt Spuren
Woche 2–4 Binnen eines Tages nahe 0 Nitritpeak, dann fallend Steigt
Eingefahren 0 binnen 24 h 0 binnen 24 h Messbar

Geben Sie erneut Ammoniak, sobald es gegen null fällt, damit die Bakterien weiter wachsen.

Schritt 4: Der 24-Stunden-Test

Wenn Sie glauben, fertig zu sein, geben Sie die übliche Menge Ammoniak. Sind Ammoniak und Nitrit nach etwa 24 Stunden bei null und ist Nitrat messbar, ist das Becken eingefahren.

Schritt 5: Wasserwechsel und Besatz

Nach dem Einfahren ist das Nitrat hoch, machen Sie deshalb vor dem Besatz einen großen Wasserwechsel. Setzen Sie dann eine kleine Gruppe robuster Fische ein und testen Sie wöchentlich weiter. Die Bakterienmenge wächst mit den Abfällen, also immer nur wenige Fische auf einmal. UF/IFAS Extension rät, den biologischen Filter vollständig entwickeln zu lassen und die Tiere langsam einzugewöhnen.

Wie lange dauert es?

Das Einfahren ohne Fische dauert meist vier bis sechs Wochen, mit angeimpftem Material schneller, in kühlem oder saurem Wasser langsamer. Geduld lohnt sich: Eile ist die häufigste Ursache früher Fischverluste.

Wenn das Einfahren stockt

Anzeichen Wahrscheinliche Ursache Abhilfe
Ammoniak fällt nie Zu kalt, Chlor, sehr niedriger pH Wasser erwärmen, Aufbereiter prüfen, pH testen
Nitrit wochenlang hoch Zu viel Ammoniak, niedriger pH Teilwasserwechsel, weniger Ammoniak dosieren
pH fällt ständig Weiches Wasser mit wenig Pufferung Teilwasserwechsel; nach Pufferung für Ihr Leitungswasser fragen
Milchig-trübes Wasser Bakterienblüte Meist harmlos; abwarten, nicht überfüttern
Plötzliche Spitze im eingefahrenen Becken Überfütterung, toter Fisch, Filter zu gründlich gereinigt Ursache finden, Wasser wechseln, täglich testen

Wenn schon Fische in einem neuen Becken sind

Das passiert, oft mit einem geschenkten Kampffisch. Dann:

  • Sehr kleine Mengen jeden zweiten Tag füttern.
  • Täglich testen; 25 bis 50 % Wasser wechseln, sobald Ammoniak oder Nitrit messbar sind.
  • Einen Aufbereiter verwenden, der auch Ammoniak bindet. Das Merck Veterinary Manual empfiehlt diese Art bei chloraminhaltigem Wasser, weil Chloramin beim Neutralisieren Ammoniak freisetzt.
  • Merck merkt außerdem an, dass Chlorid die Giftigkeit von Nitrit senkt, weshalb manchmal etwas Salz im Süßwasser verwendet wird; prüfen Sie aber vorher, ob Ihre Art Salz verträgt.
  • Keine weiteren Fische einsetzen, bis das Becken stabil ist.

So bleibt das Becken eingefahren

  • Filtermaterial nur in abgelassenem Beckenwasser ausspülen, nie in chlorhaltigem Leitungswasser.
  • Filtermaterial nur teilweise ersetzen, nie alles auf einmal.
  • Den Filter laufen lassen; ohne Strömung sterben die Bakterien binnen Stunden ab.
  • Maßvoll füttern, tote Fische und faulende Pflanzen schnell entfernen.
  • Lebende Pflanzen helfen, weil sie Ammoniak und Nitrat aufnehmen.

Vorsicht vor dem „Altwassersyndrom“

Eingefahren heißt nicht wartungsfrei. Das Merck Veterinary Manual beschreibt das Old Tank Syndrome: Nach Jahren vernachlässigter Pflege kann das Gesamtammoniak über 20 mg/l steigen, bei pH unter 6. Der niedrige pH hält das meiste Ammoniak in der weniger giftigen Form; steigt der pH plötzlich, etwa durch einen großen Wasserwechsel, wird es tödlich. Merck rät, die Fische in ein sauberes, temperiertes System umzusetzen, wenn das Gesamtammoniak über 5 mg/l und der pH unter 7 liegt. Die Lehre: lieber jede Woche kleine Wasserwechsel, damit es nie so weit kommt.

Testsets richtig ablesen

  • Wartezeiten genau einhalten. Zu frühes Ablesen zeigt meist zu niedrige Werte.
  • Reagenzien schütteln, wie in der Anleitung beschrieben; manche Nitrat-Reagenzien setzen sich ab.
  • Bei Tageslicht oder weißem Licht ablesen, vor dem weißen Hintergrund der Farbkarte.
  • Röhrchen ausspülen, vorher mit Beckenwasser, danach mit Leitungswasser, und trocknen.
  • Haltbarkeit prüfen. Alte Reagenzien liefern falsche Werte.
  • Auch den pH testen. Bei höherem pH liegt mehr Ammoniak in der giftigen Form vor.

Überrascht Sie ein Wert, wiederholen Sie den Test, bevor Sie handeln.

Checkliste

  • Aufbereitetes Wasser, Filter und Heizung laufen.
  • Ammoniakquelle zugegeben, Testset bereit.
  • Ammoniak, Nitrit und Nitrat alle 2 bis 3 Tage notieren.
  • 24-Stunden-Test bestanden: 0 Ammoniak, 0 Nitrit, Nitrat messbar.
  • Großer Wasserwechsel, dann langsam besetzen und weiter testen.

Häufige Fragen

Wie lange dauert das Einfahren eines Aquariums?

Meist mehrere Wochen; vier bis sechs Wochen sind beim Einfahren ohne Fische üblich, je nach Temperatur, pH und Ammoniakquelle. Mit Filtermaterial aus einem gesunden, eingefahrenen Becken geht es deutlich schneller.

Kann ich mit Fischen einfahren?

Mit sehr wenigen Fischen, kleinen Futtermengen, häufigen Tests und Wasserwechseln ist es möglich, aber die Fische sind dabei Ammoniak und Nitrit ausgesetzt. Das Einfahren ohne Fische ist sicherer und die hier empfohlene Methode.

Helfen Bakterienpräparate?

Die Ergebnisse schwanken. Manche Produkte helfen, einen Filter anzuimpfen, aber keines ersetzt das Testen. Füttern Sie weiter Ammoniak und testen Sie, bis das Becken Ammoniak und Nitrit binnen eines Tages auf null bringt.

Warum stockt das Einfahren?

Häufige Ursachen sind ein niedriger pH-Wert, sehr kaltes Wasser, zu viel Ammoniak oder Chlor, das die Bakterien abtötet. Prüfen Sie Temperatur und pH, stellen Sie sicher, dass jedes Nachfüllwasser aufbereitet war, und verringern Sie eine sehr hohe Ammoniakgabe.

Setzt ein Wasserwechsel das Einfahren zurück?

Nein. Die meisten nützlichen Bakterien sitzen auf Filtermaterial, Kies und Deko, nicht im freien Wasser. Ersetzen Sie aber nie das ganze Filtermaterial und waschen Sie es nicht unter chlorhaltigem Leitungswasser.

Quellen

  1. Environmental Diseases of Aquatic Animals in Aquatic Systems↗
  2. The Ornamental Fish Trade: Perspectives for Responsible Aquarium Fish Ownership (FA124)↗

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